Mobirise

Schweren Herzens haben wir unseren Dorfladen
am 10.09.22
schließen müssen

Aus der Dorferneuerung heraus entwickelte sich der Wunsch bzw. die Idee nach einem Dorfladen, der die Nahversorgung sichern und Treffpunkt der Generationen werden sollte.

Nach großem Einsatz der Arbeitsgruppe wurden die Zeichner mit
Schreiben vom 13.07.2015 zur Gründungsversammlung am 22.07.2015 eingeladen.

Die Dorfladen-UG (Unternehmergesellschaft) wurde gegründet. Die ortsansässigen Vereine und die zeichnenden Bürger von Rossach haben dies durch ihren finanziellen Beitrag möglich gemacht.
Zudem wurde der Dorfladen vom Amt für ländliche Entwicklung finanziell unterstützt.

Von da an wurde in den Räumlichkeiten des Dorfladens gewerkelt, gesägt , geschraubt, geputzt, geräumt, geschwitzt, diskutiert und Ideen umgesetzt. Nach großem Einsatz war es dann soweit. Am 27.02.2016 wurde der Dorfladen feierlich eröffnet.

Der Dorfladen ist seitdem in jeder Hinsicht ein Gewinn für alle. Man bekommt die Dinge die man zum täglichen Leben braucht und es wird „geschnackt“ bei Kaffee und Kuchen.
Ein toller Treffpunkt in der Dorfmitte.

Jedoch müssen wir nun zum 30.09.2022 den Geschäftsbetrieb einstellen

Nach zwei erfolgreichen Jahren 2020/21, in denen erstmals kleine Gewinne erwirtschaftet werden konnten, war für uns absehbar: in den aktuellen Räumlichkeiten wird unser Laden bei jährlich steigenden Fixkosten (Miete, Stromkosten, Mindestlohnerhöhung) nicht überleben können. 
Im Januar 2021 sind wir deshalb an die Gemeinde mit der Idee eines einfachen Zweckbaus am Dorfanger herangetreten. Diese wurde von Gemeindeseite zurückgewiesen, weil keine Fördermittel vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) bereitgestellt wurden. Seitens der Gemeinde wurde kommuniziert, ein Gesamtkonzept für den gesamten Dorfplatz bestehend aus Außenanlagen, Dorfladen und Mehrzweckraum im Zuge unseres laufenden Dorferneuerungsverfahren könnte die gewünschten Zuwendungen erhalten und ein ausführliches Konzept wurde ehrenamtlich erarbeitet. Nach mehreren Monaten Arbeit und einer, vom Steuerberater geprüften, Wirtschaftslichkeitsrechung wurde der Entwurf eingereicht und Fördermittel in Höhe von 600.000 € vom ALE gebilligt. Ein Architekt erkläre sich bereit  die Schirmherrschaft über das Projekt zu übernehmen und sein Honorar als Spende einzubringen. Außerdem wurde seinerseits ein Sponsor für das Projekt gefunden, der mit 50.000 € Zuschuss zusätzliche Unterstützung in Aussicht stellte. So standen am Ende ca. 800.000 € Förderungen und Zuschüsse den geschätzten Kosten von 1,1 Millionen gegenüber.

Je konkreter das Projekt wurde, desto mehr Abstand nahm die Gemeinde von dem Vorhaben. Der Dorfladen liege streng genommen nicht im Zuständigkeitsbereich der Kommune. Es gäbe rechtliche Unsicherheiten. Die Gemeinde habe keine personellen Ressourcen, um noch ein kommunales Gebäude zu unterhalten. Räum-, Streupflicht, Reinigung und alle organisatorischen Aufgaben, die den Gebäudekomplex betreffen, sollen von der Dorfladen UG übernommen werden. 

Auch im Gemeinderat wurde das Thema zunehmend von einigen Gemeinderäten zum Politikum ausgerufen. Es wurden Informationen aus nicht-öffentlichen Sitzungen verbreitet, im Internet und in Chat-Gruppen in Umlauf gebracht. Seit Jahren verschleppte Projekte in anderen Ortsteilen wurden auf einmal in uns und unseren Dorfladen hineinprojiziert. Von „Größenwahnsinn“ und „Verschuldung in Millionenhöhe“ war die Rede – man unterstellte unseren ehrenamtlichen Mitwirkenden sogar, sich finanziell am Projekt bereichern zu wollen. Ein Bürgerbegehren gegen unseren Dorfladen wurde angekündigt. Ein Bürger nahm sogar Kontakt mit unserem Vermieter auf. Ein Gemeinderat machte sich plötzlich für die Umsiedlung des Ladens nach Großheirath stark – ungeachtet der Tatsache, dass der Dorfladen das Herzstück der Rossacher Dorferneuerung war und wir seit Monaten ehrenamtlich für dessen Erhalt kämpften. Es entwickelte sich alles zunehmend zu einem riesigen Durcheinander. 

Anstatt des erhofften Rückenwindes und klaren Signals der Gemeinde „wir stehen zu unserem Rossacher Dorfladen“ wurde mehr als ein Jahr lang herumdiskutiert, Schreckgespenster von Millionenverschuldung und rechtlichen Schwierigkeiten heraufbeschworen, parteipolitisch herumtaktiert und unsere Ideen über Alternativen zerredet. Es standen zunehmend persönliche und parteipolitische Interessen im Vordergrund, die am Ende unseren Laden, aber auch uns als Personen, Schaden zufügten und keineswegs zu einer Lösung beitrugen.
Zuletzt machten sich Krieg, Wirtschaftskrise und Versorgungsengpässe auch bei uns in den Ladenregalen bemerkbar. Steigende Einkaufspreise, schrumpfende Margen und Lieferschwierigkeiten wirkten sich negativ auf unsere Bilanzen aus. Dazu kamen Kündigungen, Krankheitsausfälle und angepasste Öffnungszeiten. So musste in der Mai-Sitzung des Gemeinderats für die ersten Monate ein zinsloses Darlehen in Höhe von 15.000 € bei der Gemeinde beantragt werden, um die laufenden Kosten zu decken. Leider setzte sich der Trend starker Umsatzeinbrüche bis zuletzt fort.

Zunehmend machten sich Frustration, Hoffnungslosigkeit und Überforderung bei uns Ehrenamtlichen und unserem Verkäuferinnen-Team breit. Wir haben es trotz umfassender Bemühungen im letzten Jahr nicht geschafft, unserem Laden gemeinsam mit Gemeinde und Gemeinderat eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen – stattdessen kamen immer neue Baustellen hinzu und die zeitlichen, aber vor allem auch psychischen Belastungen gingen allen Beteiligten mehr und mehr an die Substanz.

Kurz gesagt: Ein wirtschaftlicher Betrieb wäre für uns bei derartigen Kostensteigerungen in den kommenden Jahren nicht mehr möglich.
Nach Rücksprache mit unserer Steuerberaterin entschieden wir einen Schlussstrich zu ziehen.

Es bricht uns das Herz, unseren Dorfladen nach langem Hin und Her aufgeben zu müssen. Zurück bleibt Unverständnis und Frustration, dass es so weit kommen musste. Durch die bis zum Schluss aufgeheizten und zermürbenden Diskussionen hinter den Kulissen, aber zunehmend auch in der Öffentlichkeit, gingen uns in den letzten Monaten zwei wertvolle Dinge verloren, die davor den Erfolg unseres Ladens ausmachten: Unsere Zuversicht und in Teilen auch die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Wir möchten uns von Herzen für eure treue Unterstützung der letzten Jahre bedanken. Wir bitten vielmals um Verständnis für unsere Entscheidung und hoffen, dass unsere Beweggründe nachvollziehbar dargelegt wurden.

Euer Dorfladen Rossach

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